Orgelbau Hradetzky

Gründungsgeschichte Hradetzky I.

Gregor Franz Hradetzky I. (4. von rechts) und seine Belegschaft Firmengründer Gregor Franz Hradetzky I. (der Ältere) wurde als Sohn von Franz Hradetzky (Eisenbahnkonstrukteur und Planer der Balkanbahn Prag – Sofia) sowie Maria (Klavierlehrerin am Königshof in Sofia) 1880 in Rustschuk, Bulgarien geboren. Gregor Franz Hradetzky erlernte das Orgelbauhandwerk bei Franz Capek in Krems a.d. Donau, absolvierte sein Gesellenpraktikum bei den damals in Deutschland renommierten Firmen Orgelbau Klais und Orgelbau Seifert in Köln, sowie der Firma Furtwängler & Hammer in Hannover. Zurück in Kresm übernahm er im März 1914 die Orgelbauwerkstatt von Franz Capek.

Durch den baldigen Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Gregor Franz Hradetzky gezwungen, Munitionskisten für das K&K Heer zu fertigen, was das gesamte Holzlager des etablierten Betriebes verschlang. Ab 1916 fand sich der Firmengründer an der Isonzofront, von wo aus ihn die K&K Heeresführung zur Requirierung von Orgelpfeifen befehligte. Ein tragischer Befehl für einen Orgelbauer! Gregor Franz Hradetzky machte das Beste daraus und befehligte bei besonders wertvollen Instrumenten Bürgermeister (Syndaco) und die verbliebenen Frauen des Ortes in die Kirche zum Gebet. Unter dem Vorwand, eine liturgische Handlung nicht stören zu können, wurde somit manche historische italienische Orgel gerettet.

Todkrank überlebte Gregor Franz Hradetzky den Zusammenbruch und die Flucht zurück nach Österreich im November 1918 und musste aus gesundheitlichen Gründen für die Nachkriegsjahre eine Gesellschaft eingehen. Doch die Partnerschaft Hradetzky & Blauensteiner hielt nicht allzu lange und endete schon 1928 mit der Orgel von Weikendorf (I/12, Umbau).

Gregor Hradetzky II. bei gelegentlichen Hilfen Die 1907 (Maria) und 1909 (Gregor) geborenen Kinder des Hauses waren in der Zwischenzeit zu jungen Erwachsenen geworden und schon aus wirtschaftlichem Zwang mussten beide gelegentlich in der väterlichen Werkstatt aushelfen. Durch gestrengen Druck des Vaters, begleitet vom Versprechen, dem jungen Gregor ein "Schinackel" (Kajak) zu kaufen, begann dieser 1926 die Lehre im väterlichen Betrieb. 

Gregor Franz Hradetzky I. (1. von links) und seine Belegschaft vor der 1. Orgel in Lichtenau/Waldviertel 1924 Die Arbeiten von Gregor Franz Hradetzky orientierten sich in dieser Periode ganz dem Zeitgeist entsprechend. Pneumatische bis elektropneumatische Arbeiten waren die Norm, aber auch Reparaturen an  mechanischen Instrumenten waren gelegentlich der Fall, belegt durch Signierungen an diversen historischen Orgeln. Das umfangreichste Werk seiner Schaffensperiode schuf er 1936 im Stift Melk mit 40 Registern und elektropneumatischer Traktur. Sein Sohn Gregor dürfte ihm dabei gelegentlich zur Hand gegangen sein.

Gregor Franz Hradetzky erholte sich nie mehr vollständig von den Folgen des 1. Weltkrieges. Viel zu früh verstarb er 62jährig noch während der Umbauarbeiten an der Orgel der Pfarrkirche in Krems. Dadurch verlor auch der Pfarrkirchenchor eine treue Stütze.

Mit dem Tod des Firmengründers am 6. August 1942 wurde der Betrieb an seine Frau Maria Hradetzky überschrieben und als Witwenbetrieb durch die letzten Jahre des 2. Weltkrieges geführt. Mit kleinen Reparaturarbeiten und zusätzlicher Unterstützung durch den Schneidereibetrieb der Witwe konnte man sich durch die letzten Kriegsjahre und die Anfänge der Russenbesatzung der frühen Nachkriegszeit retten.


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