Orgelbau Hradetzky

Ausbildungsweg Gerhard Hradetzky III.

1950 Werkstatt Gregor Hradetzky II. Gerhard Hradetzky III.Die Arbeiten im Familienbetrieb und die handwerklichen, wie auch musikalischen Wurzeln zeigten deutliche Spuren bei Gerhard Hradetzky schon im Volksschulalter. Regelmäßig arbeitete er auch in seiner Freizeit mit. Er wurde zum leidenschaftlichen und wissbegierigen Schüler seines Vaters. So erlebte er auch die mühsamen Anfänge der mechanischen Ära der Orgelwerkstatt in Krems. Werke wie Wieselburg, Hollabrunn, Hausorgel Haselböck, Gänserndorf und Lilienfeld (Haupt-und Chororgel) entstanden in dieser Zeit und hinterließen aufgrund der geringen Erfahrung des Betriebes im mechanischen Orgelbau teilweise „abenteuerliche Eindrücke“. Nach Beendigung seiner Orgelbaulehre mit Auszeichnung stand nun fest, dass eine Fortbildung im Ausland für ihn der nächste Schritt zu sein hatte.

1970 OBM Rudolf von BeckerathKein Geringerer als Egon Kraus, damals wichtiger Orgelfachmann und Konsulent des Bundesdenkmalamtes in Wien, empfahl Vater Hradetzky eine der damals in Europa führenden Firmen, wie Markussen (Dänemark), Metzler (Zürich) oder Beckerath (Hamburg) auszuwählen. Letztlich fiel die Entscheidung auf Beckerath, der Gerhard auch sofort aufnehmen konnte. Tief in seiner Erinnerung ist noch immer des erste Gespräch mit Meister von Beckerath, der ihn fragte: „Bist du wirklich bereit zu lernen?“ Auf Gerhards ernstes „Ja!“ meinte Beckerath noch: „Ich kann dir zwar nicht viel bezahlen, aber du wirst von mir das Rüstzeug bekommen um später einmal den Betrieb deines Vaters würdig weiterzuführen!“

1963 Transport Beckerath WinnipegGerhard Hradetzky durchlief verschiedene Abteilungen des Betriebes, machte sich als heiterer „Südländer“ bald beliebt und wurde zu seiner Freude bereits nach einem halben Jahr dem Intonations-Team unterstellt, da Beckerath schon bald das Talent des jungen Mannes erkannte. Das bedeutete auch unmittelbare Nähe zu Rudolf von Beckerath, welcher nicht nur jede seiner Orgeln persönlich intonierte, sondern neben der Überwachung der heiklen Vorintonation im Beisein der Intonateure Klangkonzepte und Mensurenpläne erstellte.

Durch seinen Fleiß und Wissbegierde, die sich ebenfalls bald zeigten, erhielt Gerhard schon bald die Gelegenheit auf Orgelmontagen und Intonationen mitgenommen zu werden. Nun war er Assistent von Beckeraths rechter Hand, Tim Skopp und dem Meister persönlich.

Bald freundete er sich mit dem auch bei Beckerath lernenden Kollegen Gerhard Grenzing an und gemeinsam spürten sie den großen Hamburger und norddeutschen Orgeln nach. Instrumente wie Stade, Lüneburg und Steinkirchen, um nur einige zu nennen, weckten die Begeisterung der beiden Musikalisches und Bildnerisches zu verwirklich. Unterstützt wurde diese Erfahrung durch die professionelle Führung des Beckerath-Betriebes, der schon in dieser Zeit Großorgeln in die USA und für ganz Europa lieferte. All das förderte Gerhards Wissensdurst noch mehr und hinterließ übermächtige Eindrücke. Die handwerkliche Tradition verschmolz nun mit seinem musischen Interesse.

Beckerath-Orgel Winnipeg Im Spätsommer 1963 erhielt er die unerwartete Gelegenheit zu Orgelmontagen mit anschließenden Intonationen nach Pittsburgh, USA (72/IIII) und Winnipeg, CAN. (30/II) zu reisen. Der intensive und nachhaltige Eindruck in den USA und die bereichernde, freundschaftliche Zusammenarbeit mit Beckerath ließen den jungen Hradetzky nie mehr los und sollten auch für die Zukunft seiner Laufbahn entscheidende Folgen haben. In dieser Zeit in den USA erlebte er auch hautnah das Entsetzen der Amerikaner über die Ermordung Kennedys am 22. November 1963. Nach viermonatigem Aufenthalt kehrte Gerhard nach Europa zurück und er berichtete bei seinem Weihnachtsbesuch dem Vater von dieser aufregenden neuen Welt auf der anderen Seite des Atlantiks, aber auch von einer neuen Orgelwelt in seinem Kopf.

In der Werkstatt in Krems wurde damals an einer vier-manualigen Orgel (40/IIII) gearbeitet, der sogenannten Olympiaorgel für die Eröffnung der olympischen Winterspiele in Innsbruck 1964. Und diese sollte eben der zweifache Olympiasieger Gregor Hradetzky bauen. Beim Besuch beschwor Gerhard seien Vater auch von Spanplatten-Gehäusen, starren Windsystemen und veralteten Traktur-Systemen abzuweichen, wenn er wieder aus Hamburg zurückkommen würde. In Gerhards Hamburger Zeit vertiefte sich die Freundschaft mit Gerhard Grenzing aufgrund der gemeinsamen Orgel-und Studienreisen. Nach der Zeit bei Beckerath planten beide daher einen Arbeitsaufenthalt in Schweden. Vorher sollte jedoch noch die gewaltige Orgel in St. Andreas, Hildesheim (64/IIII) intoniert werden, Beckeraths neuestes und größtes Werk in Norddeutschland.

1965 Gregor Hradetzky II. Heiller-Orgel Mozartsaal Konzerthaus WienDoch es kam anders!
Im Spätherbst 1964 ereilte Gerhard ein Hilferuf aus Krems. Die neue Orgel im Wiener Konzerthaus drohte nicht zeitgerecht fertig zu werden. Eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass Kardinal König im Beisein hoher Kulturpolitiker die Orgel am 10. Jänner 1965 mit feierlicher Weihe dem Wiener Kulturbetrieb übergeben sollte. Im Zuge der Fertigung der legendären „Anton-Heiller-Orgel“ im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses bat Professor Anton Heiller Gerhard Hradetzky, Beckerath dafür zu gewinnen, den Bau und die Intonation der Zungenregister zu übernehmen. Mit freundschaftlichem Verständnis der Lage (Hradetzky hatte damals noch keine eigene Zungenfertigung) sagte dieser zu. So ergab es sich, dass Gerhards erste Arbeit in Wien für ihn völlig überraschend der Intonationsabschluss des halbfertigen Instrumentes war, wobei sein Vater als Assistent fungierte. In den letzten Tagen vor der Weihe reiste auch Rudolf von Beckerath an, um die von Anton Heiller erwünschten 5 Zungenregister zu liefern und zu intonieren und diesmal assistierte der Junior.

Zweifelsohne erkannte nun auch Vater Gregor, was sein Sohn in Hamburg alles gelernt hatte und im Herbst 1965 musste dieser in den wirtschaftlich angeschlagenen Kremser Betrieb zurückkehren.

Doch Gerhard Hradetzky legte neben der vielen Arbeit weiterhin auf fachliche Fortbildung wert. Am 27. Juli 1972 absolvierte er die Diplomprüfung an der Fachschule für Musikinstrumenten-erzeugung in Ludwigsburg bei Stuttgart. Ein Jahr später, am 31. August 1973, bestand er seine Meisterprüfung in Stuttgart. Am 17. Jänner 1974 legte er die Meisterprüfung in Wien ab und erhielt somit auch den österreichischen Meisterbrief und die Gewerbegenehmigung.


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